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Halbzeit in Bayreuth

Ostern ist toll. Vor allem, wenn 110 Musiker aus aller Welt, 8 Blechbläser und ein 12-Mann starkes Salonorchester gleichzeitig in Pleystein in der Oberpfalz einfallen.

Dann wird die dort ansässige Zottbachschule zum Musikzentrum. Von 9 Uhr morgens bis abend um 22 Uhr erklingen die verschiedenen Stimmgruppen und man kann bereits erahnen, was passiert, wenn alle Musiker zusammen kommen.

Und so ist es nicht verwunderlich, wenn zur ersten Probe, 110 Musiker in der Turnhalle Platz nehmen. Der Bruckner beginnt aus dem Nichts. Eine Einheit beginnt zu wachsen, über das Orchester hinweg, ja jeder Einzelne wächst über sich hinaus.

Da erklingt die reinste Musik. Grade eben versuchte man schwer einer Geigerin aus Kasachstan noch auf englisch zu erklären, wo Sie übernachtet und nun sitzt sie mittendrin und spielt im unisono. Die drei jungen Talente aus Nordkorea sitzen im Cello und Kontrabass nebenan.

Die Dozenten und der Dirigent Simon Gaudenz kitzeln Dynamik aus den Musikern raus und perfektionieren die Artikulation ihres Spiels.

Währenddessen:

Die 8 Hörner von german hornsound eröffnen das Osterfestival in der Nördlichen Oberpfalz, das 20. Gemeinsam mit dem Männergesangsverein 1895 und dem Kirchenchor Pleystein erweisen Sie der IJOA und dem Publikum die Ehre. Bis unter die Decke erklingt Musik aus der Romantik, gerade richtig für diese Kirche und diesen Anlass.

Zwei Tage später ertönt Salonmusik im Haus Regina. Unter der Leitung von Albrecht Winter gelingt ein super Abend in toller Atmosphäre und spanischem Feuer. Man summt und wippt im Einklang mit der Musik. Auch auf der Burg Wernberg tagsdrauf ist das Publikum hingerissen von der Komposition der Gänge und Klänge.

Unterdessen haben sich Musikinteressiere immer wieder im Musikzentrum eingefunden, um den öffentlichen Stimmproben beizuwohnen.

Am Karfreitag teilt sich das Team der IJOA. Ein Großteil organisiert die Öffentliche Generalprobe der IJOA in Weiden. Eine kleine Sondereinheit macht sich auf dem Weg nach Bayreuth und eröffnet dort mit C.P.E. Bachs Matthäus-Passion - ein Werk zwischen Barock und Klassik. Sowohl die Solisten als auch die Stadtkantorei Bayreuth und das Barockorchester Armonia dell'Arcadia überzeugen mit einem runden und sauberen Klang. Die Kirche ist voll. Alle Tickets sind verkauft.

Auch am Samstag sind die Veranstaltungen sehr gut verkauft. Das Publikum reißt sich um die zwei Pianisten, die unterschiedlicher nicht sein können: Morgens Nikita Tonkonogov, der Newcomer aus Russland, der im Jahr zuvor schon Fans in Bayreuth gesammelt hat; abends Hardy Rittner, der mittlerweile in allen renommierten Fachzeitschriften gewürdigt und dessen Arbeit bereits mit 2 Echos ausgezeichnet wurde.

Und plötzlich ist Ostersonntag! Die Tournee beginnt.
Die Ordenskirche in Bayreuth wird zum Konzertsaal. Man rückt zusammen. Hier kann man sich nicht mehr aus dem Weg gehen. Völkerverständigung hautnah! Das große Symphonieorchester tritt auf. Die Masse kommt zum schweigen und harret der Dinge. Prof. Dr. Schubert macht deutlich, dass die IJOA und das Bayreuther Osterfestival nur bestehen bleiben kann, wenn Sponsoren und Förderer auf das Projekt aufspringen. Dann erklingt das Orchester. Das Publikum lauscht andächtig und geht beseelt nach Hause.

Am Ostermontag wartet das Orchester in der Max-Reger-Halle in Weiden mit ihrem romantischen Programm auf. Die Bühne ist größer, die Anspannung bleibt, denn der Bayerische Rundfunk nimmt auf, um ihr Werk für die Ewigkeit auf CD festzuhalten.

In Selb am Dienstag gibt es dann doch noch eine Sitzänderung. Man bekommt alle 110 Musiker auf die Bühne, auch wenn die Aufstellung nun dem Musikverein der Wiener Philharmoniker sehr ähnelt, denn die Kontrabassisten stehen nun auf Höhe der Pauke.

In Jena kommt es zum großen Finale. Die Musiker sind müde und trotzallem spielen sie wie die Teufel. Erschöpft kommen alle danach zu einer Abschlussparty zusammen, um dann in der Nacht zurück in Bayreuth in ein großes Lamento zu verfallen.

Nun sind sie alle auf dem Weg in ihren Heimat- oder Studienort. Wir wünschen eine gute Reise und hoffen auf ein Wiedersehen.

Uns stehen noch 4 Konzerte bevor: Gleich mit Brass und Orgel in der Schlosskirche, morgen im Rokokosaal, Steingräber mit Gesang und endend mit der Jazznight und dem Brunch Spezial bei Motor-Nützel.

Restkarten gibt es noch an der Theaterkasse unter www.eventim.de oder an der Abendkasse.

Eure IJOA